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Anlageberatung: Widerlegung der Kausalität unterlassener Risikoaufklärung bei risikobereiten Anlegern

André Pollmann, LL.M.
Rechtsanwalt

Bankrecht
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Anlageberatung: Widerlegung der Kausalität unterlassener Risikoaufklärung bei risikobereiten Anlegern

Nach Maßgabe der grundlegenden Entscheidung BGH, Urt. v. 08.05.2012, Az. XI ZR 262/10, ist im Ausgangspunkt im Sinne einer Beweislastumkehr zu Lasten des Anlageberaters zu vermuten, dass eine Verletzung der im Rahmen eines konkludenten Anlageberatungsvertragsschlusses grundsätzlich bestehenden Pflicht zur Aufklärung des Anlageinteressenten über sämtliche wesentlichen Risiken der Kapitalanlage kausal für die Anlageentscheidung war. Auch ein ausgesprochen risikobereiter Kunde konnte demgemäß den Rechtsstreit schon dann gewinnen, wenn es ihm gelang nachzuweisen, nur über ein nach heutiger Rechtsprechung wesentliches Risiko der Kapitalanlage nicht informiert worden zu sein, obwohl andere, auch gravierendere Risiken aufgeklärt wurden, den Kunden aber nicht von einer positiven Anlageentscheidung abhielten. Für Kreditinstitute ist das insbesondere deshalb unerfreulich, da der Kreis für „wesentlich“ befundener Risiken unter Verweis auf den „Verbraucherschutz“ immer stärker ausgeweitet worden ist.

Dieser Praxis ist der III. Zivilsenat in einer aktuellen Entscheidung erfreulicherweise entgegengetreten. Aus dem Umstand, dass ein Anleger bereit war, Risiken einzugehen (um möglichst eine überdurchschnittliche Rendite zu erlangen) könne – je nach den Umständen des Einzelfalles – die fehlende Kausalität einer etwaigen Aufklärungspflichtverletzung gefolgert werden, so der Bundesgerichtshof in der Entscheidung BGH, Urt. v. 04.10.2018, Az. III ZR 213/17, Tz. 35.

Die Widerlegung der Kausalität wird in der Praxis dabei freilich umso eher zur Überzeugung des Tatrichters gelingen, je risikobereiter der Anleger und je unbedeutender das in Rede stehende Risiko war.

2018.11.29-Anlageberatung.pdf (7 Downloads)
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