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Digitale Innovationen im Bankensektor – Der Robo-Advisor

Eduard Meier
Rechtsanwalt

Bank- und Kapitalmarktrecht
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Digitale Innovationen im Bankensektor – Der Robo-Advisor

Das Konzept des Robo-Advice, der digitalisierten Form der Finanzdienstleistung, stößt zunehmend auch bei deutschen Anlegern auf Interesse. Auch wenn Robo-Advisor hierzulande bislang noch über einen eher vernachlässigbaren Marktanteil verfügen, verzeichnen die Anbieter derzeit immense Wachstumsraten. Während Kunden von der automatisierten Online-Finanzberatung nicht nur eine bequemere und kostengünstigere, sondern vor allem auch eine zuverlässigere Alternative zur „menschlichen“ Beratung erwarten, hoffen die Anbieter – zu denen auch vermehrt Banken gehören – auf diesem Weg einerseits Kosten zu senken und zugleich solche Kundengruppen zu erschließen, welche einen Gang zum Berater bislang gescheut haben.
Wie bei neuartigen digitalen Phänomenen üblich, existiert aber auch im Zusammenhang mit dem Robo-Advice eine Vielzahl von bislang noch ungeklärten rechtlichen Problemen, welche für die Anbieter nicht unerhebliche Haftungsrisiken bergen können.
Rechtsunsicherheit besteht insoweit bereits bei der Frage, nach welchen Kriterien der zwischen Anbieter und Kunden zustande kommende Vertrag rechtlich zu qualifizieren ist. Für den Anbieter besonders entscheidend dürfte in diesem Zusammenhang oftmals sein, die Annahme eines Anlageberatungsvertrages und des damit verbundenen erhöhten Pflichtenkatalogs zu vermeiden. Vorsicht ist daher schon bei dem standardisierten Abfragen von Kundendaten geboten, soweit hierdurch auch Informationen eingeholt werden, welche über das für eine reine Anlagevermittlung erforderliche hinausgehen, um dem Kunden gegenüber nicht den Eindruck einer Beratung zu erwecken. Die bisherige Praxis mancher Anbieter, einen Beratungsvertrag trotz umfassender Fragen zu Anlagezielen, Vermögensverhältnissen und Risikobereitschaft des Kunden schlicht im Disclaimer auszuschließen, dürfte zu überdenken sein.
Weitere Probleme können sich unter anderem im Zusammenhang mit verbraucherrechtlichen Sondervorschriften ergeben, da es sich beim Robo-Advice in aller Regel um einen Fernabsatzvertrag im elektronischen Geschäftsverkehr handelt. Richtet sich das Angebot (auch) an Verbraucher, so entstehen für den Anbieter daher je nach Einzelfall unterschiedliche Pflichten, deren Nichtbeachtung es bestmöglich zu vermeiden gilt.

Bereits dies macht deutlich, dass die Implementierung eines Robo-Advice-Systems neben technischen Schwierigkeiten auch zahlreiche rechtliche Unwägbarkeiten mit sich bringt, deren Bewältigung ebenso wenig vernachlässigt werden sollte.

2017.11.21-Der-Robo-Advisor.pdf (118 Downloads)

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