Close
Haftung bei fehlerhafter Anlageberatung (Teil 1)

Katrin Etteldorf
Rechtsanwältin

Bank- und Kapitalmarktrecht
|

Haftung bei fehlerhafter Anlageberatung (Teil 1)

Das Landgericht Köln hat in einer Entscheidung vom 17.08.2017, 15 O 140/16, die Haftung einer Bank aus einem Anlageberatungsvertrag lehrbuchhaft aufbereitet. Dabei hat sich das Gericht nicht auf deren Rechtsgrundsätze beschränkt, sondern auch die Beweiswürdigung unter Darstellung der Grundlagen ausführlich begründet.

In dem zu Grunde liegenden Fall hat der Kläger eine Sparkasse wegen fehlerhafter Anlageberatung im Zusammenhang mit Swapgeschäften in Anspruch genommen. Die Klage hatte im Ergebnis keinen Erfolg. Das LG Köln hat eine fehlerhafte objektgerechte Beratung und die Kausalität einer evtl. fehlerhaften anlegergerechten Beratung verneint.

Ausgangspunkt des LG Köln – Die Bank schuldet dem Anleger eine anleger- und objektgerechte Beratung. In der Entscheidung setzt sich das Gericht umfassend damit auseinander, was dies im konkreten Einzelfall bedeutet.

Beratung zum Anlageobjekt – Sie muss verständlich und vollständig sein. Das Gericht zeigt zunächst die zwei Wege hierzu auf:

  1. Die persönliche Information des Bankberaters über Eigenschaften und Risiken, die für die Anlageentscheidung des Kunden wesentlich sind oder sein können.
  2. Entsprechende Belehrung in einem sachlich richtigen Prospekt dann, wenn der Bankberater davon ausgehen darf, dass der Kunde diese gelesen und verstanden hat.

Die Unterrichtung muss nicht zwingend, so das LG Köln, Modellberechnungen oder weitergehende Finanzmarktdaten einschließen, ebenso wenig, dass es sich bei Swaps um eine Wette mit Glücksspielcharakter handelt.

Unabhängig von der objektgerechten Beratung folgen aber aus einem Interessenkonflikt weitere Aufklärungspflichten. Die Bank, im Zweipersonenverhältnis zugleich Verkäuferin des Produkts, muss nicht darüber belehren, dass sie mit dem Verkauf Gewinne erzielt. Zu Recht weist das Gericht daraufhin, dass dies für den Kunden bei gebotener Betrachtung offensichtlich ist, egal wie komplex die Kapitalanlage sein mag. Gegenläufige Interessen müssen dem Kunden aber vor Augen geführt werden. Bei Swapgeschäften realisiert die Bank ihren Gewinn über das Einpreisen eines anfänglichen negativen Marktwerts. Dass die Bank die Bruttomarge bereits von vornherein im Swap-Vertrag berücksichtigt, hat sie, ohne konnexes Grundgeschäft, offenzulegen und die Höhe des anfänglichen negativen Marktwerts mitzuteilen.

Ob und inwieweit auf dieser Basis eine objektgerechte Beratung durchgeführt wurde, hat das LG Köln im Rahmen einer dezidierten Bewertung der Zeugenaussagen geprüft.

Haftung bei fehlerhafter Anlageberatung (Teil 2)

2017.10.02-Fehlerhafte-Anlageberatung-1.pdf (131 Downloads)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Close