Close
Haftung bei fehlerhafter Anlageberatung (Teil 2) Wie ein guter Zeuge vor Haftung retten kann

Constanze Muck
Rechtsanwältin

Bank- und Kapitalmarktrecht
|

Haftung bei fehlerhafter Anlageberatung (Teil 2) Wie ein guter Zeuge vor Haftung retten kann

Dieser Beitrag nimmt die Beweiswürdigung des LG Köln im Urteil v. 17.08.2017 (15 O 140/16) in den Blick. Die Unterscheidung nach anlage- und anlegergerechter Beratung spielt dabei keine entscheidende Rolle: In beiden Fragen kommt es auf die Erinnerungsfähigkeit und authentische Schilderung der Beteiligten an.
Das Landgericht Köln widmet mit Blick auf die anlegergerechte Beratung zunächst wesentliche Teile des Urteilstatbestands der früheren Erfahrung des Klägers mit Zinsswaps u.a. Anlagen sowie Höhe und Ausgang der Engagements. Da diese unmittelbaren Einfluss auf den notwendigen Beratungsumfang haben, ist auf deren Feststellung besonders zu achten.
Seiner Bewertung der einzelnen Aussagen legt das LG Köln die sog. Nullhypothese zugrunde, wonach die Glaubhaftigkeit positiv begründet werden muss. Solange diese Hypothese nicht widerlegt ist, muss eine Aussage als unzuverlässig gelten. Vorrangig müssten daher Anhaltspunkte gefunden werden, die für die Wahrheit einer Aussage sprächen.
Vorliegend hält das Gericht dem Kläger insbesondere zur Frage der anlagegerechten Beratung entgegen, zu detailarm vorgetragen zu haben, z.B., ob er darüber informiert wurde, dass die Bank in das Swapgeschäft eine eigene Marge eingepreist hatte, oder zu seiner Behauptung, das Kreditinstitut habe über Modellrechnungen zur Verlustwahrscheinlichkeit verfügt.
Dem als Zeugen vernommenen Bankberater hat das Gericht dagegen Glauben geschenkt. Die Schilderung, wie er „allen“ Kunden bestimmte Risiken erläutert hat, genügte. Auch folgte das Gericht der Aussage des Beraters, über die künftigen Wechselkurse keine Prognose abgegeben zu haben, da er in dem Gebiet kein Fachmann sei. Dabei hält das Gericht fest, dass die Aussage, auch in verschiedenen Kontexten, logisch konsistent war, widerspruchsfrei und im Kerngeschehen sehr detailreich. Auch an Nebensächlichkeiten anlässlich eines Besuchs beim Kunden habe sich der Zeuge erinnert.
Unterstützt wurde die Aussage des Zeugen durch die dem Kläger regelmäßig übermittelten zweiseitigen Informationen zu Verlustrisiken bei Finanztermingeschäften.
Zudem erwähnt das Gericht, dass der Berater sich nicht einseitig zulasten des Klägers geäußert hatte, so habe er nicht den Begriff „negativer Barwert“ formuliert.
Unschädlich war für die Bank weiter, dass der Berater einräumte, nicht die Ziele des Klägers erfragt zu haben. Denn der Kläger habe Vorkenntnisse gehabt, so über den Tausch der Bezugsbeträge am Ende des Geschäfts. Auch habe er eingeräumt, ihm sei das Risiko der Währungsentwicklungen bekannt gewesen. Damit scheiterte die Behauptung der nicht anlegergerechten Beratung.
Schließlich berücksichtigt das Gericht auch seine Erfahrung aus anderen Verfahren und gelangt zur Annahme einer einheitlichen Beratungspraxis.

Haftung bei fehlerhafter Anlageberatung (Teil 1)

2017.10.13-Wie-ein-guter-Zeuge-vor-Haftung-retten-kann.pdf (94 Downloads)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Close