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Kleine Indiskretion mit großen Folgen

Dr. Andreas Chmel
Rechtsanwalt

Arbeitsrecht
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Kleine Indiskretion mit großen Folgen

Geschwätzigkeit ist eine wenig erfreuliche Eigenschaft. Dies gilt auch für Arbeitsverhältnisse. Gerade wenn es um sensible Daten geht, sind die Beschäftigten gehalten, diese vertraulich zu behandeln.
 
An diesen Grundsatz hat sich eine Arzthelferin in einer radiologischen Praxis nicht gehalten. Sie hat vielmehr Unter-lagen einer Patientin mit vertraulichen Informationen abfotografiert und das Bild per WhatsApp mit einem despektierlichen Kommentar an ihre Tochter geschickt. Wie es kommen musste, hat die Tochter die WhatsApp-Nachricht dann in ihrem privaten Umfeld herumgezeigt, was der Vater der Patientin erfahren hat. Nach seiner Beschwerde bei der Praxis wurde die Arzthelferin fristlos gekündigt.
 
Das LAG Baden-Württemberg (12 Sa 22/16) hat die Kündigung für wirksam gehalten. Das Verhalten der Arzthelferin wurde als schwerwiegende vorsätzliche Pflichtverletzung angesehen. Sie konnte sich auch nicht darauf zurückziehen, sich bei ihrer Aktion nichts weiter gedacht zu haben. Selbst ohne vorherige Abmahnung durfte die Praxis versuchen, das gestörte Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient durch die fristlose Kündigung so schnell wie möglich wiederherzustellen.

Gerade Beschäftigte, die mit besonders sensiblen Daten zu tun haben, sollten gewissenhaft damit umgehen. Dies gebietet nicht nur die Gefährdung ihres Arbeitsverhältnisses, sondern bereits der von jedem zu erwartende Anstand wie auch der gesunde Menschenverstand.

2017.09.07-Chmel-Kleine-Indiskretion-mit-großen-Folgen.pdf (70 Downloads)

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