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Telefonische Weitergabe einer mobilen TAN begründet Vorwurf grober Fahrlässigkeit

Jana Zeidler
Rechtsanwältin

Bankrecht
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Telefonische Weitergabe einer mobilen TAN begründet Vorwurf grober Fahrlässigkeit

Betrügern ist es in den letzten Jahren mit verschiedensten Tricks gelungen, sensible und vertrauliche Daten wie Passwörter oder Zugangsdaten zu erschleichen. Dies geschieht nicht immer verdeckt durch eingeschleuste Schadprogramme in gefälschten Websites oder E-Mails, sondern zunehmend auch unter aktiver Mitwirkung von Bankkunden durch Vorspielen einer falschen Seriosität am Telefon.

In einem Fall, über welchen das Amtsgericht München am 05.01.2017 zu entscheiden hatte, erhielt eine Frau, welche gemeinsam mit ihrem Ehemann ein Girokonto bei der beklagten Bank unterhielt und hierfür das Direct B@nking-Angebot der Bank im Internet nutzte, eine Phishing E-Mail, die den Hinweis enthielt, dass der „Direct B@nking“-Zugang bald auslaufe mit einem Link zur manuellen Aktualisierung des Zugangs. Nach Betätigung des Links gab die Frau Namen, Kontonummer und Telefonnummer in die Eingabemaske ein. Am Folgetag erhielt die Frau einen Anruf einer vermeintlichen Mitarbeiterin der Bank, welche der Frau Nummern mitteilte mit der Bitte, sich diese zu notieren und mit den Nummern abzugleichen, die ihr mit einer SMS mitgeteilt würden. Bei Übereinstimmung sollte die Bankkundin die Ziffern in der SMS der Anruferin mitteilen. Nachdem die Ehefrau die SMS „Die mobile TAN für Ihre Überweisung von 4.444,44 Euro auf das Konto…lautet: 253844“ erhielt, teilte diese die Ziffernfolge der Anruferin mit. Nachdem der Betrag von € 4.444,44 auf das in der SMS bezeichnete Konto überwiesen wurde, ließ die Ehefrau das Konto sperren und erstattete Strafanzeige. Nachdem der überwiesene Betrag vom Empfängerkonto nicht zurückerlangt werden konnte, begehrten die Eheleute Schadensersatz von ihrer Bank.

Das Amtsgericht München hat in seiner (rechtskräftigen) Entscheidung vom 05.01.2017, Az. 132 C 49/15, entschieden, dass die Bank bei einer Weitergabe der TAN am Telefon nicht haftet. Wenn der Bankkunde eine TAN, die im mobilen TAN-Verfahren stets für eine konkrete Überweisung erzeugt und per SMS an den Kunden versandt wird, an einen Dritten telefonisch weitergibt, der damit in die Lage versetzt wird, die Überweisung durchzuführen, handelt der Bankkunde grob fahrlässig. Denn in dem Fall, wo dem Kunden durch den Wortlaut der SMS deutlich vor Augen geführt wird, dass sich die TAN auf eine konkrete Transaktion bezieht, müsse es diesem einleuchten, dass die (nach § 675 l BGB unzulässige) Weitergabe die Gefahr einer missbräuchlichen Überweisung nach sich zieht.

Link zu Pressemitteilung vom 18.08.2017: Pressemitteilung

2017.09.29-Telefonische-Weitergabe-einer-mobilen-TAN.pdf (47 Downloads)

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